Kunst trifft Vergnügen
Kunst trifft Vergnügen

Foyer der Oper - 2002 -

SCHMACHTENDE KÜSSE UND SCHALLENDE BACKPFEIFEN
-Horrweiler Theaterwerkstatt feilt an Kriminalkomödie "Foyer der Oper"
AZ vom 30. Mai 2002

Temperamentvoll wie eine Furie geht Annika Seckler auf Volker Fischborn los.
Wütend versetzt sie ihm ein paar schallende Ohrfeigen. "Nicht so gleichgültig.Volker! Die Ohrfeigen sind doch schmerzhaft", tönt die Stimme von Regisseurin Heike Derscheid aus dem Hintergrund. Nickend nimmt Volker die Regieanweisung zur Kenntnis und postiert sich erneut auf der Bühne. Die Arbeiten für das neue Stück der Theaterwerkstatt "Extra Trocken" Horrweiler laufen auf Hochtouren.
 

Bis zur Premiere am 22. Juni sind es nur noch wenige Wochen. als Probenraum dient

der Rohbau unter dem großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses. Noch ist das Bühnenbild unvollkommen. "Bis erkennbar ist, dass es sich um das Foyer im Logengang eines großen englischen Opernhauses handelt, müssen noch einige Pinselstriche her",meint Georg Gaul, der im Stück
den Verleger Henry Smallcattle verkörpert.

Die Proben zur Kriminalkomödie "Foyer der Oper" verlaufen in einer eher
lockeren, gelösten Atmosphäre mit familiärem Charakter. Hier ersetzen die Kinder
der Schauspieler schon mal das Publikum oder die Geräuschkulisse. Deren
Begeisterung freut den ersten Vorsitzenden Herbert Seckler: "Unser Ziel als
Theaterwerkstatt ist ja auch, die Jugend für unsere Arbeit zu begeistern. Hier kann der Nachwuchs ungehemmt seine Kreativität entdecken und ausleben". So wie die Akteure von "Extra Trocken" bei ihrem Probenwochenende.
 .

Hier zeigt sich, dass die Ensemblemitglieder inzwischen gelernt haben, aus sich herauszugehen.
Selbst pikante Liebesszenen, die auf der Bühne eine besondere Herausforderung darstellen, werden inzwischen problemlos gemeistert. Etwa beim heimlichen Tete-a-Tete zwischen Brigitte Schuch-Enste als Mrs. Florence Smallcattle und Reinhard Horn, der den biederen Politiker und Abgeordneten Tony Porterfield darstellt. Der klassische Hollywoodkuss, den beide auf der Bühne schmachtend im
Zeitlupentempo zum Ausdruck bringen, ist wirklich filmreif

"Am Anfang war es schon schwierig, sich in diese Situation reinzudenken", erklärt Brigitte Schuch-Enste: "Zu Beginn der Proben kannten wir uns ja persönlich noch gar nicht". Inzwischen hätte sich das heimliche Liebespaar persönlich besser kennengelernt, was die Arbeit auf der Bühne doch sehr erleichtern würde.

Szenenwechsel: Volkers Backpfeifen sorgen für Diskussionen. "Sobald Annika auf Volker losgeht, müsste als Musik Beethovens Fünfte eingespielt werden", schlägt die Künstlerische Leiterin Heike Derscheid vor. Annika und Volker sehen das eher skeptisch. Am Ende setzt sich die Regisseurin durch. Sie stellt das CD-Abspielgerät an: Beethovens Fünfte ertönt. Prompt verpassen Annika und Volker ihren Einsatz. "Oje", stöhnt die Regisseurin. "Das mit der Musik ist ja noch ein ganz schöner Akt". Die Musik für die Kriminalkomödie ist an diesem Probenwochenende erstmals zum Einsatz gekommen.

Die Dialog-Szenen "sitzen" inzwischen, hier kommt es kaum noch zu "Hängern". Da bereiten die großen Auftritte mit mehr als acht Akteuren noch mehr Probleme. "Irgendwie ist die Koordination hierbei noch nicht, wie sie sein sollte", gibt sich Heike Derscheid skeptisch. "Da müssen wir noch ein paar Stellproben dran hängen". Obwohl fast alle Darsteller noch mit dem Textheft in der Hand auf der Bühne agieren, scheinen sich die Schauspieler inzwischen gut in ihre Rollen eingearbeitet zu haben.

Dabei ist es nicht nur die Arbeit auf der Bühne, die den Theaterleuten viel Engagement abverlangt. bis zur Premiere ist noch vom Vorverkauf der Karten über die Wahl der Kostüme bis hin zur Pausenempfang während der Aufführung Etliches zu erledigen. "Dabei können wir noch viele Helfer gebrauchen", wirbt Herbert Seckler. Während er seine Bühnenpause genießt, gibt Heike Derscheid seinen Schauspielkollegen schon wieder Regieanweisungen. (Ute Krebber)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bernd Bührmann (verantw.) Theaterwerkstatt "Extra Trocken" Horrweiler e.V.